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	<title>Felix Hutt &#124; journalism</title>
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	<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 16:53:06 +0000</pubDate>
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		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 12:24:22 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Block 119, Reihe 10, Platz 17, neben mir der Mo, auf 18. Gegen Gladbach, Hamburg, Dortmund. Facebook - (ist hier: Allianz Arena). &#8220;Steht auf, wenn ihr Bayern seid, steht auf, wenn ihr Bayern seid.&#8221; Eine Rote für 3,80 Euro, bezahlt mit der ArenaCard, aufgeladen an der ArenaCard-Aufladestation. Zehn Euro für&#8217;s Parken, außer wir bekommen S1 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p>Block 119, Reihe 10, Platz 17, neben mir der Mo, auf 18. Gegen Gladbach, Hamburg, Dortmund. Facebook - (ist hier: Allianz Arena). &#8220;Steht auf, wenn ihr Bayern seid, steht auf, wenn ihr Bayern seid.&#8221; Eine Rote für 3,80 Euro, bezahlt mit der ArenaCard, aufgeladen an der ArenaCard-Aufladestation. Zehn Euro für&#8217;s Parken, außer wir bekommen S1 oder S0 Parkscheine, parken wie die Profis, neben den Profis.</p>
<p>An den Enden der Wurst, die frei in der Gegend hängen, weil sie keine Semmel (nie zu trocken, immer knusprig) umgibt, Senf. Schnell beißen, weil sonst tropft er, der Senf, und Senfflecken - gar nicht schön. Zwei Paulaner, Kippen für den Zopf-Olli. &#8220;Und mit der Nummer 31, Bastian&#8230;&#8221; und dann alle: &#8220;&#8230;Schweinsteiger, Fußballgott.&#8221; Später Halbzeitanalyse, ganz wichtig.</p>
<p>Gegen Leverkusen, Wiesn-Heimspiel. Statische Bayern. Gegen Zürich, Neapel, Bremen, Villareal. &#8220;Ausgesperrte immer bei uns&#8221;-Transparent vor der Schickeria. &#8220;Schiri, wir wissen wo dein Auto steht.&#8221; Gomez, Tor, Gomez, Tor, Gomez Tor Tor Tor. Olic Bank. Petersen Bank. Olic bald weg. Ecke vor uns, &#8220;Ribery, Ribery, Ribery&#8221;. Grüßt, wenn er Zeit hat, mit Daumen hoch. Noch mehr &#8221;Ribery, Ribery, Ribery&#8221;. Bester Bayer. Unverkäuflich, zu viel Spaß mit dem Präsidenten. Gegen ManCity.</p>
<p>Sieben Tore-Spiele, gegen Basel ist es am schönsten. Kartonklatschen-Einführung, erstmals Fußballpublikumsstimmung in der Arena, Mo Wo, springen und rufen: &#8221;Who, who, who the fuck is Barcelona? Who, who, who the fuck is Barcelona?&#8221;</p>
<p>Gegen Hoffenheim, Augsburg, Mainz. &#8220;Wir holen den Europacup, und die Meisterschaft, und den Poookaaaal&#8221;. Kein Bier während Champions-League Spielen. Gegen Hannover, gegen Marseille. Das Wetter im Herbst besser als im Frühling. Je besser der Sitz desto nasser das Haar. Alaba, neuer Star, Neuer stark. Erstmal eine risen. &#8220;Gegen Bayern kann man mal verlieren, gegen Bayern kann man mal verlieren.&#8221; Servus Meisterschaft. Kevin Großkotz. Dante kommt, ein Schweizer kommt, Reus kommt nicht. Zu den VIP-Fans: &#8220;Ihr seid nur zum Fressen da.&#8221; Gegen Real Madrid. &#8220;Ronaldo, Heulsuse, Heulsuse&#8221;. Road to Munich, jawohl, aha. &#8220;Wenn sie international spielen, bin ich auch Bayern-Fan&#8221;, sagen Nürnberger, Hamburger, Dortmunder. Deine Mudda. Setzen Mourinho. Gomez, 2:1, Arenaexplosion, Explosionsarena. Einmal noch explodieren am 19. Mai 2012. Ab in den Himmel von Sitz 17, Reihe 10, Block 119. Fußballgott?</p>
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		<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 20:02:46 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich lese das Blog von Wolfgang Herrndorf. In einem Post schreibt er in wenigen Zeilen alles, was zum Thema KrachtImperiumFaserland zu schreiben ist. Mehr braucht kein Mensch. Mann, schreiben wie Herrndorf, das wär&#8217;s. In einem anderen Post schildert Herrndorf, wie er sich bei YouTube ein Video ansieht, in dem ein Mann sich in die Hände [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p>Ich lese das Blog von Wolfgang Herrndorf. In einem Post schreibt er in wenigen Zeilen alles, was zum Thema KrachtImperiumFaserland zu schreiben ist. Mehr braucht kein Mensch. Mann, schreiben wie Herrndorf, das wär&#8217;s. In einem anderen Post schildert Herrndorf, wie er sich bei YouTube ein Video ansieht, in dem ein Mann sich in die Hände von Dignitas begibt um in der Schweiz mittels eines Sterbehilfecocktails für immer zu gehen. Herrndorf beschreibt das Video so präzise, dass ich seinen Blog verlasse, um mich bei einer Episode Californication und einer Episode Entourage zu erholen. Für Hank Moody bleibt alles confusing und das Finale von Entourage könnte cheesiger kaum sein, ich muss raus.</p>
<p>Rufe meinen Freund an, und rufe noch einen Freund an, und je älter man wird, desto länger kennt man seine Freunde, logisch, aber es wird immer schwieriger sie zu sehen. Ich gehe am Kranz vorbei, das gerne Galeristen und Feuilletonisten beherbergen würde, am Alof, das schon geschlossen hat, am Friseur, der großzügig zu ihr ist. Komme in die Pestalozzistraße, da sucht eine Tapasbar gerade Camareras, aus dem Bistro Bruno tragen sie Pizzakartons, durch das Fenster des Ja Mai Hanoi sehe ich einen sehr guten Freund und eine sehr gute Freundin, die unter sich sein wollen, weil sie länger keine quality time miteinander genossen haben, aber versuchen, sich das nicht anmerken zu lassen. Die sehr gute Freundin trägt eine elegante Chanel-Brille und der sehr gute Freund Schlafanzug. &#8220;Auf ein Bier&#8221;, sagen sie, aber Bier gibt es im Hanoi nur, wenn man es mitnimmt und draußen trinkt, ich kaufe für 2,50 Euro ein Tegernseer Spezial, das etwas stärker ist, als das Tegernseer Helle, und sage tschüß.</p>
<p>Weiter zum Alpen-Imbiss, ich setze mich auf einen der Stühle vor der Tür, die noch etwas nass sind, weil es vorher geregnet hat. In München ist es mal Winter, mal Frühling, April eben. Schöne modische Mädchen mit erkennbar teuren Taschen kaufen Döner für drei Euro.</p>
<p>Im Pimpernel ist noch nichts los, kaum zu glauben, dass in wenigen Stunden das Hereinkommen ein Privileg sein wird. Saunaclub M54, ein Typ überholt mich, er hat gebleichte Haare, früher tanzten wir mittwochs im Parkcafé, aber das weiß er nicht mehr, das Parkcafé auch nicht. Seine Jeans hängt, es ist keine Kontur seines Arsches erkennbar. Über den Verlust von Eiern in der Hose wurde viel berichtet, über den Verlust des Arsches in der Hose viel zu wenig. Wenn ich mich richtig erinnere, dann begann das arschlose Zeitalter mit Hedi Slimane, der für Dior Hosen kreierte, die das Gesäß schlicht ignorierten, was Karl L. so super fand, dass er sich seitdem von Zahnpasta ernährt um in diese Hosen zu passen, und auf die Frage, warum er sich das antue, auf Slimane verweist. Neben L. zählt auch Pete Doherty zu den Slimane-Jüngern, toll, oder? Die, die etwas auf sich halten, tragen ihre Hosen seitdem so, dass man nicht erkennen kann, ob sie einen Arsch in der Hose haben. Junge Männer haben oft auch keinen mehr, metropolitane Paare sehen von hinten gleich aus, nicht auseinander zu halten, androgyn arschlos, unisex ihr Parfüm.</p>
<p>Ich mag Ärsche. Kann ich nicht ändern. Ich mag Menschen, die essen und trinken und vögeln und lieben und alles mitnehmen, und wenn sie am Ende aussehen wie Depardieu im Weingut, dann ist mir das näher als jeder toupierter Modezar.</p>
<p>Ich stelle meine leere Flasche auf eine der letzten Telefonzellen, die es in München noch gibt, und gehe in die Cooperativa, wo ich den ersten Singapore Sling meines Lebens trinke, er schmeckt mir nicht. Ein Negroni schon, sie schneiden vor mir Limetten, die Säure ihrer Schalen steigt in meine Nase und erfrischt mich, Beirut spielen Lieder. Ich hoffe, Wolfgang Herrndorf ist verliebt.</p>
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		<pubDate>Sun, 26 Feb 2012 14:59:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Hi Paulo,
I am very glad that you and Julia are back together, you absolutely did the right thing talking to her yesterday. The way you described Julia to me, the way your eyes lit up when our conversation was about her, made me think she could be the one, mate. You seem to feel the [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p>Hi Paulo,</p>
<p>I am very glad that you and Julia are back together, you absolutely did the right thing talking to her yesterday. The way you described Julia to me, the way your eyes lit up when our conversation was about her, made me think she could be the one, mate. You seem to feel the same. I really appreciate you guys inviting me to your barbecue tonight, but these are my last moments in Rio, in Brazil, in South America. Not long from now my legs and my butt will suffer in a tiny economy class-seat of TAP-Airlines, which will fly me back to reality.</p>
<p>You may wonder why I am answering you in my blog and not via facebook, but our encounter outside of Bar Urca the other day was kind of symbolic for how well I always feel treated by the Brazilian people. Very open-minded, very friendly. You have to know that since my first time to Brazil a couple of years ago, I am an unpaid but loyal ambassador of your country. I want to tell my friends a little bit about you and Rio, so I hope you don&#8217;t mind if one or two read along.</p>
<p>I am sitting on the balcony of Casa Kayamura right now, a very nice little pousada in the hills of Santa Teresa. Coming from Floripa a week ago it was a change, I really like living close to the beach, you know. The pousada is run by Florian, a German journalist, and Andrea, his Brazilian wife. They are amazing hosts, I tell you. Every morning they feed me with fresh fruits (I usually don&#8217;t eat fruits) like pineapple and papaya. They have good juices, too. If I look down I can see the rails of the sad cable car, which is still not bringing the people up and down again. Florian says, that your mayor is rather spending the money on new buildings that will make Rio look like Miami Beach. I can also see Lapa on the right, and the Favela Morro da Coroa on the left side. And the Maracana-Stadium, where the German team will win the World Cup in 2014. Sorry.</p>
<p>Now, during daytime, all you can hear is the barking of some dogs. But at night it is amazing. Millions of lights, no one can tell whether they shine out of a rich or a poor man&#8217;s house, the democracy of lights so to speak, and then the sounds: Fireworks, Gunshots, Police Helicopters and lots of music. Mostly Baile Funk, so loud that the speakers seem to stand beneath the balcony, I love it. Do you know MC Chocolate? He is very popular and supposedly has 23 children.</p>
<p>Your city Rio de Janeiro is not only a city, but a brand and a myth. And you know how it is with myths, sometimes it is better not to look too precisely at them. Driving through the National Park of Tijuca, passing Barra, Centro, Gloria, Flamengo, Copacabana, Ipanema, going to Prainha and Grumari, made me feel like somebody designed Rio de Janeiro as a perfect mixture of urbanization and nature. Diving into the cold blue water in Prainha while some surfers were waiting for a good swell, believe me Paulo, I thought I am part of a ice cream-commercial. But then, a couple of minutes later, the water turned brown and dirty and started to stink and this made me very sad. The next day at Posto 9, Ipanema, the same thing. Brown stinking water that carried garbage, lots of garbage. Paulo, do me favor amigo: If you meet the mayor in the mall or at a rodizio, tell him to take care of the water, of the nature of Rio de Janeiro, it is its treasure.</p>
<p>How is Gustavo doing? Does he still have a hangover? What a night at Rioscenarium! I loved the music, live music, Brazilian music, Samba and Pagode. I loved how you guys tried to dance, I loved how I tried to dance and made you laugh, I loved Wodka Guarana, even though I don&#8217;t need one more glass in my life. I wanted to eat a sausage outside the club, but forgot, can you believe it?</p>
<p>Ups, time is running, got to go. My grey Samsonite bag is standing behind me, taxi is waiting. The Samsonite was once new and beautiful, but then it accompanied me to Doha and now it is shabby and broken, but I still like it. I am not good in throwing things away, you know. You and Gustavo will probably go to Bar Urca later, have a nice cold Original (or two or four or ten) and eat some fried sardines and camaroes. You will see the bottoms of airplanes which rise in the sky and disappear. This view is always making me sad, I don&#8217;t really know why. When I was a kid,I wanted to be in the stomach of the leaving airplanes and imagined where they might go. Isn&#8217;t it that we always want to be where we are not? Thank god, we have our illusions, they bring us to multiple places. &#8220;P<span class="hps">escador de</span> I<span class="hps">lusões&#8221; was sprayed on one of the walls near Maracana, I like that phrase. Maybe I am one, maybe you are a pescador too, amigo. Please write me, when you and Gustavo come to Giessen, and think of me later, when you are having a beer and I am in the stomach of one of these airplanes that you will see from Bar Urca. And give Julia a beijo. Take care my friend, adeus. </span></p>
<p><span class="hps">Felix</span></p>
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		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 22:22:34 +0000</pubDate>
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Praia Mole. Saudade! Surfergruß aus Brasilien, dem Land des Lächelns, der Liebe, der luftigen Lieder. Ja ja, ich weiß, aber ich bin nur Nutznießer des Glücks, nicht sein Verteiler. Jeden Morgen gehe ich zum Strand, öffne mit drei geübten Machetenhieben die vielen Kokosnüsse, die über Nacht vom Himmel gefallen sind, und trinke ihren Saft aus den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p><a href="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/6536583_l.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-593" title="6536583_l" src="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/6536583_l-300x224.jpg" alt="6536583_l" width="300" height="224" /></a></p>
<p>Praia Mole. Saudade! Surfergruß aus Brasilien, dem Land des Lächelns, der Liebe, der luftigen Lieder. Ja ja, ich weiß, aber ich bin nur Nutznießer des Glücks, nicht sein Verteiler. Jeden Morgen gehe ich zum Strand, öffne mit drei geübten Machetenhieben die vielen Kokosnüsse, die über Nacht vom Himmel gefallen sind, und trinke ihren Saft aus den Bauchnabeln brasilianischer Schönheitsköniginnen, Frühstück. Dabei flüstere ich den Damen Worte wie <em>Beleza</em> oder <em>Maravillosa</em> zu, sie gucken verzückt auf den Atlantik, mein Ego bleibt aber in der Badehose, wo auch sonst, mehr habe ich natürlich nicht an. Anschließend cremen sie mich mit Avocadoöl ein, ich lege mich neben sie und lese alles, was über illegale Skodafahrten des Ex-Bundespräsidenten zu finden ist, bevor ich meine Erregung darüber bei einem zweistündigen Wellenritt abkühle.</p>
<p>Nachmittags lasse ich mir in der Schönheitsklinik BomBom Popopolster implantieren, abends die Gesichter meiner Kinder auf die Waden tätowieren, weil auf dem Rücken kein Platz mehr ist, da gucken schon Bob Marley und Che Guevara neben den Rücklichtern auf die Welt. Abenteuer ohne Ende hier in Brasilien. Rafting zum Beispiel. Vier Malteser, zwei Urugayos, zwei Deutsche und ein Guide namens Highlander. Deutsche erste Reihe, vorne, eh klar. Parallelpaddeln auf Befehl, weltmeisterlich. Die Malteser sind keine Seefahrer, und die Urugayos, na ja, aber die Deutschen und Highlander, die haben das Boot durch den Dschungelfluss gesteuert, Wasserfälle passiert, Malteser aus der Strömung gerettet. Die Fotos ab ins Tagebuch und jetzt erstmal gucken, was auf den schwarzen Teppichen in Berlin so los ist.</p>
<p>Einmal noch schlafen, dann beginnt der <em>Carnival</em>, ich bin schon ganz aufgeregt. Dann wird tage- und nächtelang getrunken und getanzt, nie mehr geschlafen, am Strand gefeiert, denn das Leben der Brasilianer, das wissen wir aus vielen gut informierten Quellen, das spielt sich schließlich und ausschließlich am Strand ab. Am <em>Praia</em>, ha.</p>
<p>Ab nach Rio, oder besser ach, Rio. Der armen Stadt geht es wie einem Nachtclub, mal in, dann wieder out, mal hip,  dann wieder unhip, kann es niemand Recht machen. Spießig soll Rio geworden sein, ich hätte nichts dagegen, ein spießiges Rio ist immer noch spannender als vieles andere. Bei meinem letzten Besuch stand ich eines Morgens vor dem Arpoador Inn, einem netten Hotel am Schnittpunkt zwischen Ipanema und Copacabena, neben mir ein Amerikaner, der auch auf ein Taxi wartete. Er schrie plötzlich auf und hielt sich das Gesäß, eine Kugel hatte sich verirrt. Tja, Rio, muito peligroso, aber so sexy diese Cariocas (so heißen die Einheimischen, auch das weiß man von Experten).</p>
<p>Vom persönlichen Eindruck Rückschlüsse auf ein Land zu ziehen ist Schwachsinn. Ich bin für Schwachsinn. Also: Brasilien, Land der höflichen Menschen, Land des Acai, des Pirao, der frittierten Fische, der laufenden, schwimmenden, sich bewegenden Menschen, des Miteinander, des Aggressionslosen, Land, eben nicht seinem Klischee entsprechend. Land, geliebtes.</p>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 14:26:19 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Mendoza esta caliente. Y no precisamente por el furioso sol que castiga a la ciudad. Esta caliente por la temperatura del River-Boca de esta noche. Muy caliente. Como el Chori Dominguez con Diego Abal. Como los hinchas de River por una nueva derrota ante el rival del siempre. (Olé, 29. Januar 2012)
Fitz Roy 1545. Eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p><em><strong>Mendoza esta caliente. Y no precisamente por el furioso sol que castiga a la ciudad. Esta caliente por la temperatura del River-Boca de esta noche. Muy caliente. Como el Chori Dominguez con Diego Abal. Como los hinchas de River por una nueva derrota ante el rival del siempre. (Olé, 29. Januar 2012)</strong></em></p>
<p>Fitz Roy 1545. Eine Wolke schob sich vor die Sonne, die Buenos Aires seit Wochen toastete. Es war der Beginn einer Rebellion, andere Wolken folgten, die Schwüle erhob sich und stieg zum Himmel, der dunkel wurde, obwohl der Tag noch vor sich hin tagte. Dann brach der Himmel in sich zusammen und es regnete, wie es nie zuvor geregnet hatte, und der Strom, der fiel einfach aus.</p>
<p>Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade 33 Jahre alt geworden, ein Alter, in dem man noch in der Ich-Form schreiben sollte. Ich lag auf der Couch, von der ich auf den Untergang, den Pool, Palermo Hollywood und seine Gebäude blickte, die nicht gebaut schienen um diesem Unwetter zu trotzen, es aber doch taten. Ich trug ein Handtuch, mehr nicht, weil ich gerade duschen und dabei das Lied &#8220;What&#8217;s the frequency Kenneth&#8221; von REM hören wollte. Ich mochte REM eigentlich nie, aber seit sie sich aufgelöst haben, mag ich sie auf einmal. Aus dem Duschen wurde nichts, stattdessen verfinsterte sich das Zimmer, die Klimaanlage stoppte, der Kühlschrank brummte nicht mehr, der Fernseher schwieg. Nur Wind, Regen und Donner waren zu hören, fette Tropfen klatschten auf den Balkon (kann Wasser explodieren?), und einige obdachlose Hunde bellten und jammerten in die Blitze, als würden die sich von so einer billigen Sinfonie vertreiben lassen.</p>
<p>In San Telmo rannten die Gaukler in die Subte, die Kellner vom Amici Miei am Plaza Dorrega räumten die Tische vom Balkon, die Pferde der Carreras im Hipodromo schrien in ihren Boxen, Avenidas wie die Libertador wurden zu Flüssen, auf den Tennisplätzen in Obras mischte sich der Sand mit Wasser und wurde zu dreckigem Blut, die Gäste des Oviedo aßen ihre Bife Zuhause, die Terrasse vom Malba wurde zum Regentropfenauffangbecken, die schwarzgelben Radiotaxis verzweifelten im Wasserstau, bei Renatas Maniküre blieben die Nägel unfertig zurück, die Paseaperros von Recoleta brachten die Pudel schnell zu ihren Besitzerinnen, nur die Cartoneros hatten nichts, wohin sie flüchten konnten und schoben mit ihren Söhnen weiter ihre Karren voller durchnässter Pappe durch die Straßen, auf denen sich ihr Schicksal entscheidet, weil sie nichts haben, wenn ihnen die Straße nichts gibt.</p>
<p>Auf das Elementarste zurück geworfen zu werden macht am meisten Spaß, wenn es absehbar ist, dass die Bedürfnisse der Zivilisation bald darauf wieder in allen Formen befriedigt werden. Es war ein schöner Moment auf der Couch, allein und im Dunklen. Einer von vielen schönen Momenten in Südamerika, in denen es so leicht fällt im Jetzt zu verharren, das Morgen zu ignorieren.</p>
</div>]]></content:encoded>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 21:37:59 +0000</pubDate>
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p><a href="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/boca3.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-557" title="boca3" src="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/boca3-300x225.jpg" alt="boca3" width="300" height="225" /></a><a href="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/boca1.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-559" title="boca1" src="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/boca1-300x225.jpg" alt="boca1" width="300" height="225" /></a><br />
<a href="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/boca2.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-560" title="boca2" src="http://www.felixhutt.com/blog/wp-content/uploads/2012/02/boca2-300x225.jpg" alt="boca2" width="300" height="225" /></a></p>
</div>]]></content:encoded>
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		<pubDate>Fri, 16 Dec 2011 11:21:36 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich erinnere mich an ein Buch, das mir mein Freund Gillmann an einem kalten Abend in Berlin geschenkt hat.
Ich erinnere mich an Haferschleimsuppe.
Ich erinnere mich, dass die Mexikaner in New Mexico anders redeten, als die Mexikaner in Mexiko.
Ich erinnere mich, dass ich einmal in einem Spiel sieben Tore schoss und danach so alleine war, weil [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p>Ich erinnere mich an ein Buch, das mir mein Freund Gillmann an einem kalten Abend in Berlin geschenkt hat.</p>
<p>Ich erinnere mich an Haferschleimsuppe.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass die Mexikaner in New Mexico anders redeten, als die Mexikaner in Mexiko.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich einmal in einem Spiel sieben Tore schoss und danach so alleine war, weil niemand meine Freude mit mir teilen wollte.</p>
<p>Ich erinnere mich an WikiLeaks.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass die Eltern von Rainer aus meiner Klasse mein Rahmschnitzel mit Spätzle und kleinem Salat bezahlten, weil ich nur Geld für Pommes hatte.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass meine Schwester in den Buggy durfte und ich nicht.</p>
<p>Ich erinnere mich an Wilhelma.</p>
<p>Ich erinnere mich an Torsten Albig und einen Text.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Abend im Barcode, zu dem ich direkt aus Brasilien kam, und für den ich eine Rede geschrieben hatte, die ich aber nie halten durfte.</p>
<p>Ich erinnere mich an das beste Modell Sandplatztennisschuhe, das Nike jemals auf den Markt brachte, und das sie nach einem Jahr wieder vom Markt nahmen, weil nichts länger als eine Saison aktuell sein darf, egal wie gut es ist.</p>
<p>Ich erinnere mich an einen Tag am Mozambique Beach.</p>
<p>Ich erinnere mich an Brombeeren aus dem deutschen Wald.</p>
<p>Ich erinnere mich an Meike und ihre Burberry-Tasche, und wie ich dachte, dass sie mir ohne Burberry-Tasche besser gefällt.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich in einem Aufsatz in der dritten Klasse schrieb, dass &#8220;Zigarettenkippen den Boden des Bahnsteigs zieren wie Windpocken das kranke Kind&#8221;, und meine Lehrerin an der Manzo-Grundschule, Frau Genscher, mich für diese Metapher lobte, ich aber nicht wusste, was eine Metapher ist.</p>
<p>Ich erinnere mich an einen Abend mit Alexandros Stefanidis bei Ferrari, der nicht enden wollte, was uns nicht störte, weil wir uns so besoffen, dass wir am nächsten Tag nie im Leben hätten Auto fahren dürfen, aber wir waren ja bei Ferrari.</p>
<p>Ich erinnere mich an einen Skiausflug nach Lenggries mit meinen Eltern, als sie noch zusammen waren, und dass ich damals noch keine Angst hatte, vor nichts, am wenigsten vor schwarzen Pisten.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich die zweite Hälfte von Deutschland gegen Holland bei der Weltmeisterschaft 1990 nur gucken durfte, weil die Nachbarn so laut schrien, dass meine Mutter nicht glaubte, dass ich schlafen konnte, und außerdem am nächsten Tag auch keine Schulaufgaben anstanden, zumindest hatte ich ihr das gesagt.</p>
<p>Ich erinnere mich an Buchweizenküchle und Scharfgabentee.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich Susanne nach der Schule mit dem Fahrrad bis nach Hause folgte, und als sie sagte, dass sie einfach nicht mit mir gehen wolle, ich &#8220;bald habe ich eine Vespa&#8221; dachte, und als ich dann eine Vespa hatte, da wollte ich Susanne nicht mehr, sondern Laura, aber die war zwei Klassen über mir und hatte einen Freund, der goldene Knöpfe am Blazer trug.</p>
<p>Ich erinnere mich an White Sands.</p>
<p>Ich erinnere mich an Winnetou.</p>
<p>Ich erinnere mich an Park Avenue.</p>
<p>Ich erinnere mich an die Schanze.</p>
<p>Ich erinnere mich an die Sonne über Ligurien, und daran, wie ich unter ihr lag und nie einen Sonnenbrand bekam, so wie unter all&#8217; den anderen Sonnen, weshalb ich glaubte, dass auch Sonnen eine Seele haben, nicht nur Würmer.</p>
<p>Ich erinnere mich an Muchachito und sein Lied &#8220;Ojala no te hubiera conocido nunca&#8221;.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass in Indien auf einmal ein Elefant auf der Kreuzung stand.</p>
<p>Ich erinnere mich an Christopher Hitchens.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass meine erste CD, die ich bei WOM in der Münchener Innenstadt kaufte, 36,99 Mark kostete, und ich nur einen Song darauf mochte.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ein Mann von der Bundeswehr in der Dachauer Straße zu mir sagte, dass ich zu den Gebirgsjägern könne, und ich mich nicht darüber freute.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich nach dem Film Great Expectations im Telefonbuch von New York City nach der Nummer von Gwyneth Paltrow suchte.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich nach dem Film Meet Joe Black im Telefonbuch von San Francisco nach der Nummer von Claire Forlani suchte, sie fand, anrief, aber dann nur ihre Mutter in der Leitung hatte, die sagte, dass Claire jetzt woanders lebe und ich mich für Autogrammkarten an ihr Management wenden solle.</p>
<p>Ich erinnere mich an Shawn Kemp.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Wu Tang-Clan.</p>
<p>Ich erinnere mich an Massimo Troisi.</p>
<p>Ich erinnere mich an einen Kindergeburtstag bei McDonalds, bei dem ich viele BigMacs aß und Erdbeer-Shakes trank, während sich die anderen bewiesen, wie cool sie waren, und darüber redeten, wer dafür geeignet sei mit Melanie zu gehen, und wer nicht, und warum, und wieso He-Man ein Arschloch ist, und Batmann nicht, aber Superman schon.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich im Sommer mit dem Rad an die Tennismauer des TSV Moosach-Hartmannshofen fuhr um Vorhand und Rückhand zu üben und darauf zu warten, dass die Seniorinnen nur zu dritt waren und mich für ihr Doppel brauchten, während die anderen in den Ferien waren.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich in Hamburg beim Chinesen Judith Rakers und ihrem Mann beim Verzehr einer Pekingente zusah, als sie anrief und mich fragte, ob ich nicht auf ihre Party kommen wolle.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich Los Angeles nie so schön fand, wie an dem Tag, als ich einen Nachmittag aus der Entzugsklinik durfte, und ich mir ein Second-Hand T-Shirt kaufte, auf dem &#8220;Hollywood&#8221; stand, und mir mein Betreuer erklärte, wie man über das Internet Medikamente bekomme, die so high machten, da sei Heroin ein Scheiß dagegen.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Geruch des nassen Rasens beim SV Sulzemoos.</p>
<p>Ich erinnere mich an Shrimps in Hattiesburg, Mississippi, die mich so krank machten, dass ich zwei Wochen nicht aufstehen konnte.</p>
<p>Ich erinnere mich an Stewardessen von Delta-Airlines, die gar nicht so aussahen, wie ich mir Stewardessen vorgestellt hatte.</p>
<p>Ich erinnere mich an den Doc und seinen Grappa, den ich trank, um ihm zu beweisen, welch&#8217; Kerl ich war, dabei mochte ich keinen Grappa.</p>
<p>Ich erinnere mich an Raimond Aumann.</p>
<p>Ich erinnere mich an Michael Moore.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass ich einmal in einem Hotel in Paris auf ein Interview wartete, und die Lilien in dieser Lobby so schön waren, wie sie es nur in einem Film sein konnten, und ich wenig später einen Film sah, mit Jack Nicholson und Diane Keaton, der in dieser Lobby spielte.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass Udo Lindenberg und ich in einem Phaeton durch Berlin fuhren, ich ihn interviewte, das ganz toll fand, gerne gewusst hätte, wie er es fand, er mir es aber natürlich nicht sagte.</p>
<p>Ich erinnere mich an Bigosch.</p>
<p>Ich erinnere mich, dass dieses Buch, das Gillmann mir in Berlin schenkte, kurz bevor wir zu einer Verleihung fuhren, bei der Eugen Sorg geehrt wurde, &#8220;Ich erinnere mich&#8221; hieß, und somit meine Idee des Erinnerns von hinten bis vorne geklaut ist.</p>
<p>Ich erinnere mich an Joe Brainard.</p>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 14:34:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Neulich konnte sie nicht schlafen. Stand auf, ging ins Wohnzimmer und machte den Fernseher an. ARD-Morgenmagazin. Und wer saß da auf der Couch? Jools Holland. Ne, oder? Sie schaltete aus, wieder ein, und da saß immer noch Jools Holland auf einer dieser supergeilen Fernsehcouches, und rechts und links vom Jools saßen die Moderatoren, die in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p>Neulich konnte sie nicht schlafen. Stand auf, ging ins Wohnzimmer und machte den Fernseher an. ARD-Morgenmagazin. Und wer saß da auf der Couch? Jools Holland. Ne, oder? Sie schaltete aus, wieder ein, und da saß immer noch Jools Holland auf einer dieser supergeilen Fernsehcouches, und rechts und links vom Jools saßen die Moderatoren, die in der Maske ausgemacht haben mussten, dass sie immer abwechselnd eine Frage stellen würden, also ich, du, ich, du, hihihi, ich, du, ich, du, damit das Interview schön geordnet ablaufen konnte. Dass ihre Fragen wenig mit Jools und noch weniger mit seinen Antworten zu tun hatten, das störte niemand. War ja auch niemand da, nur der Jools, der Simultandolmetscher und sie. Nun, egal, immerhin: Jools Holland im Morgenmagazin, dann geht da noch einiges, in diesem Leben hier.</p>
<p>Der Grund ihrer Insomnia war der bevorstehende Besuch einer Autowerkstatt. Dieser ölverschmierte, nach Benzin und Frostschutzmittel stinkende, von PS-Nerds und Samstagvormittag-am-Gatter-der-Tanke-Teppichausklopfern dominierte Kosmos ist ihr ein einziges Greuel. So ein Graus war ihr der Termin, dass sie stattdessen lieber noch drei Stunden Morgenmagazin geguckt hätte.</p>
<p>Aber die Butterbrezn der Bäckerei Grieshuber in Sendling waren dann wirklich so lecker, wie es ihr der Herr Brunner von der Werkstatt, wo es zu viel zu früher Stunde um den Ein-, Um- und Ausbau von Nebelscheinwerfern ging, versprochen hatte. Der Herr Brunner war ein höflicher Mann, aber ihm war anzumerken, dass es ihm ganz gelegen kam, dass sie ihn mit den Scheinwerfern alleine ließ.</p>
<p>Sie saß also vor der Bäckerei Grieshuber und aß ihre Brezn und verfolgte per ATP-Tour-App wie Matthias Bachinger in der zweiten Runde des Turniers in Bangkok den Thailänder Danai Udomchoke mit 7:6 6:3 besiegte und damit das Viertelfinale erreichte. Matthias wird bald der beste deutsche Tennisspieler sein. Sie fühlt sich toll dabei, das hierhin zu schreiben, weil sie damit eine future option, wie es bei den Finanzianern heißt, auf Recht haben in der Zukunft zieht. Recht haben wäre auch mal eine nette Währung. Ansonsten war sie beeindruckt, wie viele ihrer Facebook-Freunde Steve J. kannten, sie schrieben &#8220;RIP Steve&#8221; auf ihre Pinnwände, und das machen sie sicher nur in besonderen Fällen.</p>
<p>Ein Handwerker setzte sich zu ihr an den Tisch, sein Graumann war farbverschmiert, er war Maler oder Lackierer, genau sagen konnte sie das nicht, weil ihm nicht nach Kommunikation war. Das Tischteilen passte ihm auch nicht wirklich. Sie glaubte, er wollte für sich sein, aber es war nichts frei, nur der Stuhl an ihrem Tisch. Die Bäckerei Grieshuber erfreut sich in Sendling äußerster Beliebtheit, was daran liegen könnte, dass hier noch selbst ge- und nicht aufgebacken wird. Der Handwerker aß eine Wurstsemmel mit Gelbwurst, Ei und Gurke, und weil er anscheinend großen Hunger hatte, lagen auf seinem Teller noch eine Salami- und eine Leberkässemmel. Aus seiner Tasche nahm er ein Helles und öffnete es mit seinem Feuerzeug. Die Sonne war noch eine rote Halbkugel, die langsam hinter den Häusern am Himmel nach oben kraxelte, womit auf unnachahmlich poetische Art und Weise ausgedrückt wird, dass es verdammt früh war für ein Helles. Wenn es denn je zu früh sein kann für ein Helles.</p>
<p>Er biss in die Semmel, einmal, zweimal, kaute, setzte an, ließ das Bier in seinen Mund fließen, und spülte dann alles zusammen hinunter, um gleich danach die B-Zeitung von hinten nach vorne anzuschauen, was keinen großen Unterschied machte, weil hinten NackigNackig, vorne auch NackigNackig. Er las einen Artikel über 1860 München, das bald gegen Dynamo Dresden spielen sollte. Die Fans der Vereine mögen sich nicht, in der Zeitung stand etwas von Hass.</p>
<p>Irgendwann kam er dann zu einem Artikel über Euro und Rettung und Griechenland, und man merkte, wie ihm das noch viel weniger passte, als sie an seinem Tisch. Wenn einer nämlich penetrant nichts sagt, beginnt man schnell Mimik und Gestik zu deuten, und das ging ihr mit dem Handwerker nicht anders. Das Thema Griechenland schien ihn so zu reizen, dass er zu ihr rüber sah, sie musterte, also quasi Kommunikationseignungscheck. &#8220;Sauerei, Sauerei&#8221;, sagte er, und sie fragte &#8220;Was denn?&#8221;, weil Blödstellen nie verkehrt ist, &#8220;dass ich jetzt den Griechen mein Geld rüber schieben soll&#8221;, sagte er. Sie nickte, weil sie die zu erwartende Diskussion schnell gelangweilt hätte. Er biss in die Salamisemmel und diesmal nahm er zum Runterspülen so viele Schlucke, dass die Flasche danach leer war. Er ließ sie auf den Tisch knallen, genauer gesagt auf die Zeitung, noch genauer auf das Bild mit dem Euro und der Kanzlerin, dann sagte er &#8220;Leckst mich doch am Arsch&#8221;, nahm seine letzte Semmel und ging. Die Lippen der Kanzlerin auf dem Foto wurden nun von einem nassen Kranz des Augustinerflaschenbodens durchzogen. Wenn jetzt ein Team vom Morgenmagazin um die Ecke biegen würde, dachte sie, auf der Suche nach der Meinung des Volkes zur Rettung eines anderen Volkes, dann: super Timing.</p>
<p>Mit den neuen Nebelscheinwerfern fuhr sie auf die Autobahn. An der Auffahrt stand ein Tramper, der nach Berlin wollte, sie musste aber nach Stuttgart, nahm ihn nicht mit. Eine Minute später fiel ihr ein, dass sie noch nie einen Tramper mitgenommen und die Schul- und Skilager auch alle geschwänzt hatte, und deswegen hörte sie dann das Album &#8220;Keine Macht für Niemand&#8221; von Ton Steine Scherben, damit sie das nicht auch noch verpasste.</p>
<p>Es gibt ja wenige journalistische Formen, die so nach Individualismus heischen, wie die Musikkritik des Feuilletons. Heute Wilco, gestern die Fleet Foxes, vorgestern The National. Vor langer Zeit die Sterne und Blumfeld und Travis und Tocotronic und Arcade Fire. Jedes Mal war die Band die Erlösung, die Rettung, der Weg zu neuem (Musik-)Bewusstsein, mindestens die Band des Jahres. Ton Steine Scherben war auch mal so eine Band. Sie hielt das ganze Album durch, und als sie damit fertig war, war ihr schlechtes Gewissen wegen des Trampers verflogen.</p>
<p>Als sie ankam und ausstieg, rutschte sie mit ihren hohen Schuhen auf dem Laub aus und fiel auf den Po, wo sie seitdem einen Fleck hat, der erst schwarz, dann braun und zuletzt grau war. Ihr Termin verlief fein, ihr Gegenüber reichte ihr Tee und Gebäck und eine Salbe. Er sagte ihr, dass er ihr Parfüm mochte, dabei trug sie gar keines. Er sagte ihr, dass er für die Rettung Griechenlands sei, und für Europa, dabei hatte sie ihn gar nicht gefragt. Dass man am Abend bei Vincent Klink einkehren könne, sagte er auch, er bekäme da immer einen Tisch, und Untertürkheimer Riesling sei nicht zu verachten. Sie bedankte und verabschiedete sich, ging zum Auto, das sie unter einer Kastanie geparkt hatte. Viele Kastanien sammelten sich über dem Scheibenwischer. In der Frontscheibe waren mehrere Risse, sie sah aus wie nach einem Steinschlag. Kastaniensteine. Sie musste lachen, nicht weil sie bald wieder zu Herrn Brunner durfte, sondern weil das wie ein Buchtitel klang, der die DDR aufarbeitet und viele Preise gewinnen könnte. Kastaniensteine. Steinige Kastanien. Griechische Kastanien. Kastaniengräue. Sie fuhr los, der Wind blies ihr von vorne durch die Scheibe ins Gesicht, und sie schlang ihren Schal um Mund und Hals und Nase, nur ihre Augen schauten noch heraus. Vor ihm hatte sie den Herbst verwunschen. Aber jetzt war er da.</p>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 23:30:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="ids_container" style="overflow: hidden;"><p>Sie sagte, wir müssen mal raus, und schenkte mir Tickets für die Foo Fighters in Lissabon. Ich sagte wunderbar und buchte einen Flug. Am Tag des Abflugs saß ich am Lufthansa-Terminal in München und las Zeitungen. Es war sehr früh, deshalb nahm ich nicht alles auf, aber in einigen Zeitungen stand, dass Portugal jetzt von der einen oder der anderen Rating Firm in den USA auf Ramschstatus gesetzt worden sei. Portugal sei jetzt ein Ramschland wie Griechenland, das stand da so, in den Zeitungen, und das fand ich dann doch ein wenig traurig. Wer fliegt schon gern in ein Ramschland?</p>
<p>Wer sagt überhaupt, wer Ramsch ist, wer darf das? Und was bedeutet das, Ramsch? Für die Leute in den betroffenen Ländern? Menschen, die auf die Welt kommen und sich damit abfinden, dass sie nie Millionäre werden, die Kinder kriegen, Eltern haben, um die sich kümmern, die es nicht interessiert, wie weit New York weg ist und was es kostet dahin zu kommen, weil sie sowieso nie genug Geld haben werden, sich einen Flug zu kaufen, und sei er noch so billig. Was, wenn es Menschen gibt, die unsere Probleme nicht haben, dafür echte, existentielle? Was wollen wir denen mit Ramsch sagen?</p>
<p>Ich schlief den Flug über und ließ den Ramsch auf mich zu kommen. Was ist das überhaupt für ein Wort für ein Land? Da schenken die Griechen uns Tausende von Jahre Kultur, von Philosophie bis Architektur, und dann entscheiden ein paar Bengel einer Rating Agentur, die einen Wendy&#8217;s Cheeseburger mit Fritten und Erdbeer-Shake für eine Mahlzeit halten, wer Ramsch ist und wer nicht? FUCK YOU</p>
<p>Sorry, zurück zu Lissabon. Ich landete in der Ramschstadt im Ramschland, ein Taxifahrer fuhr mich zum York House, unserem Hotel. Auf dem Weg erklärte er mir den Charakter des Tejo, des Flusses, der aus Portugal fließt und zum Ozean wird, er sagte mir, in welchem Dorf ich den besten Fisch bekäme, und es gab keinen noch so verschrotteten Bau, an dem wir vorbei fuhren, den er mir nicht erklären konnte. Er war kompetent und historisch gebildet, sein Taxometer von Anstand. Wir redeten nicht über den Ramsch, der schien unter seinem Niveau.</p>
<p>Wir bezogen ein Zimmer von königlichem Niveau, es fehlte an nichts. Wir fuhren in die Stadt, wohin wir kamen, ins Barrio Alto, nach Cascais, nach Belem, egal, die Leute begegneten uns mit einer gelassenen Freundlichkeit, sie ließen sich nichts anmerken von der Kränkung, die das Urteil der Finanzdiktatur bei ihnen auslöste. Die häufig beschwörte Melancholie ihrer Musik, des Fado, war zu hören und zu spüren, allerdings verstanden wir kein Wort. Dem Fado ist nun auch wirklich keine Schuld zu geben, den gibt es ein paar Jahre länger als die Krise, für mich entwickelte er sich zum Betthüpfer, bei dem ich immer einschlief.</p>
<p>Es gab selten Anlass nach dem Ramsch zu fragen, weil niemand einen Anlass dazu gab. Nicht der Oktupus im Cafe Royale, nicht die Mädchen und Buben im Pasteis Belem, nicht die Stadtführer der Red Line, nicht die Concierge im York House, die noch Hemmingway bediente. Nicht die Menschen im Businessviertel, nicht die Klofrau nach dem Rodizio, niemand. Mit Kontur wurde ausgehalten, was niemand der Bürger einschätzen, wofür sich niemand von ihnen schuldig fühlen konnte. Ramschland ist ein abstrakter Begriff für den, der versucht für seine Familie zu sorgen, in welcher Währung auch immer.</p>
<p>Nicht auszudenken, wie Deutschland reagieren würde, wenn es auf Ramschstatus gesetzt würde. Lieber nicht. Wir kamen auf das Gelände des Optimus Festivals am Wasser Lissabons, Lisboas, der schönen Küste. Seasick Steve eroberte unser Herz, das frisch gebackene Brot, Pao, auch, Primal Scream auch, dann kamen die Foo Fighters. Jede Generation hat ihren Helden, der über allen Stilrichtungen steht, Elvis Presley, John Lennon, für mich war es Kurt Cobain. Ich weiß, wo ich war, als sein Suizid bekannt wurde, ich kenne jedes Lied, ich kenne jede Anekdote, jeden Filmclip, der über ihn veröffentlicht wurde.</p>
<p>Als Dave Grohl ein paar Jahre nach seinem Tod die Foo Fighters gründete, dachte ich, was viele andere auch dachten: der hat es nicht verkraftet, der muss sich neu etablieren. Hat er auch. Hat die Drums Taylor Hawkins überlassen, spielt Leadgitarre und schreibt die Songs, mit dem selben Genie im Hintergrund, das schon Nevermind produziert hat: Butch Vig. Nicht ein Song der Foo Fighters reicht an Nirvana&#8217;s Werk heran, trotzdem ist es eine Freude Dave Grohl auf der Bühne zu sehen. Er weiß, dass er den Schatten der Vergangenheit nie übertreffen wird, aber genau deswegen sind seine Auftritte so couragiert. Wer weiß, welchen Erfolg die Foo Fighters hätten, würden sie nicht an Nirvana gemessen. Wen oder was soll man bitte überhaupt an Nirvana messen?</p>
<p>Wir sangen, wir tanzten, wir lachten, wir liebten, wir aßen und wir tranken, wir verließen das Ramschland und waren selten froher, irgendwo gewesen zu sein. Unser Aufenthalt erlaubt uns nicht, über das Land zu urteilen, aber wer darf das überhaupt, wer kann das? Wer denkt an die, die jeden Morgen aufstehen und hustlen, die kein Aktiendepot, keinen Fond, keine Anleihen besitzen. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien man ein Land einstufen kann, und ich verstehe nicht, warum man es anscheinend muss. In Wahrheit geht der statistische Aufschwung in Deutschland an vielen vorbei, in Wahrheit lebt Portugal weiter, weil es ein Land wie Portugal einfach geben muss, damit wir begreifen, auf was es ankommt.</p>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 14:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
		
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